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Balthasar Jacob von Schlammersdorff
Schwedischer General im 30jaehrigen
Krieg, + 1635
Auszüge aus einem Aufsatz von Karl Herrmann Zwanziger erschienen 1919
In dem Archiv des historischen Vereins
von Oberfranken zu Bayreuth befindet sich eine Reihe von Schriftstücken
aus der Zeit des 30jaehrigen Krieges, die bis jetzt ohne Beachtung
geblieben sind, aber doch einiges Interesse beanspruchen dürften. Sie rühren
her von dem ehemaligen schwedischen General Balthasar Jacob von
Schlammersdorff. Sie sind teilweise militärischen, teilweise privaten
Inhalts, beginnen nach der Schlacht am weißen Berge und setzen sich mit
Unterbrechungen bis zu dem 1635 in Metz erfolgten Tod des Generals fort.
Von der Familie pietätvoll gehütet, sind sie wohl nach dem Ableben des
letzten fränkischen Schlammersdorff in den Besitz des Vereins gekommen.
Sie geben ein anschauliches Bild des Soldatenlebens aus jener schweren
Zeit und sollen daher im folgenden der Vergessenheit entrissen werden.
Die alte Familie von Schlammersdorff war zu Anfang des 30jaehrigen
Krieges in der oberen Pfalz und dem benachbarten Bayreuther Land begütert.
Balthasar Jacob war nach Biedermann der Sohn Caspars von Schlammersdorff
zu Hopfenohe und seiner Gemahlin Margarethe, einer geboren von
Schlammersdorff. Das Geburtsjahr ist unbekannt, ebenso seine Jugendzeit.
Wir begegnen ihm zuerst als kurpfälzischen Landrichter zu Auerbach und
Pfleger zu Hohenberg. Von hier aus nimmt er an dem böhmischen Feldzug
des Jahres 1620 teil und genießt offenbar das Vertrauen seines
Landesherrn, des Kurfürsten Friedrich V., der ihn vor der Schlacht am
weißen Berg nach Litiz in das Hauptquartier seines Gegners, des Herzogs
Maximillian von Bayern mit Friedensvorschlägen entsendet, jedoch ohne
Erfolg. Im pfälzischen Kriegsrat stimmt er dann vergebens fuer die
Verteidigung von Prag. Nach dem Fall von Prag und dem Verlust von
Boehmen kehrt er nach Auerbach zurück. 1621 wird er durch kurfürstliches
Dekret von Wolfenbüttel aus zum Obersten Leutnant für das Obere Fürstentum
der Pfalz bestellt und mit der Werbung von 600 guten versuchten Soldaten
unter zwei oder drei versuchten und tüchtigen Capitänen und
Befehlshabern beauftragt. Später wird die Zahl der zu werbenden
Musquetierer auf 1000 erhöht. Im Feldzug des Jahres 1621 ist er bei der
Besitzergreifung der Oberpfalz dabei, wonach das Schlammersdorffsche
Regiment im Juni mit den 5 Fähnlein die nordöstlichen Eingangspforten
östlich Bärnau am Steinberge, dann bei Mähring, Albenreuth und
Waldsassen auf dem linken Flügel der Mansfeldtschen Stellung
beobachtete. Im August 1621 verteidigte das Schlammersdorffsche Regiment
4 Fähnlein stark, den Waldmünchener Pass, ist also nach Süden
verlegt. Im September beginnt dann Mansfeldts Rückzug nach der unteren
Pfalz, wobei das Schlammersdorffsche Regiment über Amberg zog und von
dort Mansfeldt folgte.
Schlammersdorff nahm am Feldzug in der Unterpfalz und dem Elsass teil
und führte unter Mansfeldt das rote Regiment zu Fuß während der Jahre
1621 und 1622, er machte das Gefecht von Mingolsheim und die Einnahme
von Eppingen mit. Im Mai 1622 stellt ihm Markgraf Georg Friedrich von
Baden einen Paßzettel nach Nürnberg aus. Wie lange er noch am Kriege
teilgenommen hat, lässt sich nicht ersehen. Da ihm durch die in der
Oberpfalz im Gange befindliche Gegenreformation der Rückweg in die
Heimat verschlossen war, zog er sich auf seine Besitzungen im Bayreuther
Land zurück.
Balthasar Jacob hatte jedenfalls die Absicht, nun dem Kriegshandwerk zu
entsagen, denn im Februar 1625 vermählte er sich mit Eva, der Witwe des
Sigmund von Waldenfels zu Lindenberg. Eva von Schlammersdorff brachte
ihrem zweiten Gemahl eine Tochter Anna Maria in die Ehe. Schlammersdorff
scheint keinen Gefallen an ruhiger Häuslichkeit gehabt zu haben. Schon
im selben Jahre trieb es den unruhigen Mann wieder hinaus, um an dem
niedersächsischen - dänischen Krieg im Heere Koenig Christian IV von Dänemark
teilzunehmen. Im Juni 1625 unterzeichnet der Koenig zu Berden das
Dekret, wodurch Schlammersdorff die Bestallung als königlicher
Generalwachtmeister erhält.
Nach dem Krieg kehrte Schlammersdorff wieder ins Bayreuther Land zurück
und wurde Amtshauptmann zu Neustadt an der Aisch. Doch auch hier war
seines Bleibens nicht lange. Das Jahr 1631 (und der schwedische Krieg)
warfen ihn aus dieser feierlichen Tätigkeit wieder in den Strudel des
30jaehrigen Krieg zurück. Im Januar 1631 sandte ihn Marktgraf Christian
nach Leipzig , wohin Kurfürst Johann Georg von Sachsen einen Konvent
der protestantischen Fürsten wegen Gustav Adolphs Eingreifen und der
durch Tillys Vordringen gegen Sachsen geschaffenen Lage ausgeschrieben
hatte. Der Konvent ging jedoch ohne Entschluss auseinander. Bald aber
wurde Sachsen und auch Süddeutschland in den Krieg hineingezogen.
Balthasar Jacob ging danach von Neustadt nach Nürnberg. Im Januar tritt
er förmlich in den Dienst der Stadt Nürnberg über. Er hat den
Sitzungen des Kriegsrats beizuwohnen und mit dem Rat der Stadt das
Generalkommando zu führen.
Er tritt in die Dienste der Schweden, nachdem er, wie es scheint, schon
vorher mit dem Koenig verhandelt hatte, zugleich aber besteht sein Verhältnis
zur Stadt Nürnberg weiter. Nach Ablauf des Jahres 1633 trat aus dem
Dienst der Stadt Nürnberg, die mit seinen Leistungen nicht zufrieden
war und trat in das schwedische Heer ein und nahm an den Unternehmungen
desselben in der Oberpfalz gegen Regensburg teil. Seine Gemahlin blieb
in der Nürnberger Vorstadt Wörhd, das markgräflich war zurück. Die
Familie wurde während ihres dortigen Aufenthalts durch die in Nürnberg
wütende Pest schwer heimgesucht. Im April 1632 starb die ältere
Tochter Anna Maria und im August die in Neustadt an der Aisch 1631
geborene jüngste Tochter Juliane Cordula.
Schlammersdorff nimmt weiter am Kriege teil. Zunächst geht es über
Neumarkt gegen Regensburg. Am Anfang des Jahres 1634 hält er sich vorübergehend
in Frankfurt am Main auf, dann finden wir ihn wieder in Neumarkt,
Regensburg und wieder zurück in Auerbach. Ende Mai verlässt er auf Drängen
seiner Gattin den Kriegsdienst und hält sich für kurze Zeit im
Wiesenthal zu Wiesenthau auf, um die dortigen Weinvorräte zu Geld zu
machen, da er eine Kur Sauerbad Göppingen in Würtemberg vorhat.
Im August beendet er die Kur und begibt sich nach Frankfurt zu einem
Kriegskonvent. Er nimmt den Weg ueber Heidelberg und verbleibt in
Frankfurt während die Pest in Nürnberg wiederum wütet. Durch seinen
Gevatter Landmarschall von Fuchs sucht er seine rückständige
Gehaltsforderung bei dem Rat von Nürnberg einzutreiben. Der Rat zeigt
sich aber offenbar wenig geneigt seine Forderung zu bewilligen.
Schlammersdorff setzt seiner Frau, die begreiflicherweise auf seine Rückkehr
drängt, seinen neuen Plan auseinander durch Frankreich und die
Niederlande nach Dänemark zu reisen um seine Sachen dort in Richtigkeit
zu bringen und durch gute Mittel dann nach Hause zu kommen. Diesen Plan
setzt er auch ins Werk, und zieht durch das Zweibrücker Land nach Metz.
Hier ereilte ihn der Tod, dort hat er auch seine letzte Ruhestätte
gefunden. Sein letzter Brief ist datiert vom 19.Mai 1635.
Eva von Schlammersdorff überlebte ihren Gemahl um volle 25 Jahre. Sie
starb erst 1660. Der ältere Sohn Wilhelm Friedrich von Schlammersdorff
Lehengerichtsassesor zu Bayreuth wurde im August 1674 von Räubern
erschlagen. Er war kinderlos. Den Stamm setzte der zweite Sohn Christoph
Leonhard fort, der 1628 geboren und 1680 verstorben ist.
Christian Wilhelm von Schlammersdorff
Kaiserlicher Fähnrich, +1704
Christian Wilhelm wurde in Plankenfels geboren. Sein Vater war Hanns
Peter von Schlammersdorff zu Plankenfels, Wadendorf Hopfenohe und
Unterleinleiter, ein hochfürstlicher mecklenburgischer Oberforst- und Jägermeister.
Seine Mutter war Dorothea von Rezau.
Christian Wilhelm trat in die kaiserliche Armee ein. Im Rang eines Fähnrichs
wurde er 1704 ermordet. Er soll vermutlich bei einer Hochzeit in
Mergentheim hinterrücks von einem Hauptmann erstochen worden sein.
Andere Quellen besagen, dass er bei einem Duell ums Leben gekommen sei.
In der evangelischen Kirche von Mengersdorf hängt ein Epitaphbild des
Ermordeten. Beigesetzt wurde er allerdings in der heimatlichen Kirche in
Unterleinleiter.
Sein Bruder Friedrich Julius von Schlammersdorff zu Plankenfels,
Wadendorf und Hopfenohe, Deputatus des Cantons Gebürg, wird als
Auftraggeber des Epitaphs genannt. Durch Ihn gelangte das Bild auch in
die Mengersdorfer Kirche. Friedrich Julius soll dem Mörder seines Brüders
sogar den Oberschenkel durchschossen haben.

Auf dem Bild stehen die folgenden Worte
geschrieben:
"Ich fiel, wie Abner fiel,
durch böser Buben Hand,
wie solche Mordestat
ist der halben Welt bekannt.
Die Seele ist bei Gott,
der Leib in kühler Erden,
dem Mörder wird der Lohn
für seine Arbeit werden."
Abner war der Feldhauptmann Sauls. Ein Sohn des Saul kränkte
Abner, sodass dieser zu David übertrat. Abner wurde daraufhin von Joab
ermordet. David schrieb hierüber ein Trauerlied.
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